(05.04.2015)MikuHatsune schrieb: Desweiteren bin ich verwirrt was nun "suse" "ubuntu" "mint" usw. bedeutet. Wenn das alles Linux ist, wieso dann die verschiedenen Namen? Sind das nur verschiedene Versionen wie Win95,98,2000,XP,usw. oder sind da größere Unterschiede?
Es gibt da schon ziemliche Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten.
Um das mal aufzuschlüsseln:
- Linux = der Kernel = kernel32.exe
- GNU = das System = Windows
- SuSE, Debian, Ubuntu, Fedora = Distributionen = Anbieter = gewissermaßen die "Hersteller" der endgültigen Versionen = Stell dir vor, Windows gäbe es nicht nur von Microsoft, sondern auch von anderen Anbietern, die hier und da was umbauen und es teilweise mit anderer Software bundlen. Microsoft Windows kommt dann z. B. mit Microsoft Office, IBM Windows kommt mit Notes und Symphony, Oracle Windows kommt mit StarOffice und einer vorinstallierten Java-Umgebung und in den alten Solaris-Farben...
Das ist ja bei GNU/Linux-Distributionen der Gag, eins der Killerfeatures gegenüber Windows: Du kriegst – zumindest bei den Distributionen, die nicht superleichtwiegig sein wollen – Software mitinstalliert, die man sich im kommerziellen Windows-Closed-Source-Umfeld für hunderte Euronen erst dazukaufen und dann händisch dazuinstallieren muß. Linux installiert schneller als Windows und kommt out of the box daher mit der Funktionalität von Windows + Office + Photoshop + Firefox + Thunderbird + VLC + µTorrent + Nero + wat nich noch alles.
Jede Distribution hat auch eine andere Philosophie, zum einen in der Software-Gestellung, zum anderen auch unter der Haube. Du hast verschiedene Paketmanager, du hast verschiedene Update-Strategien (Rolling Release vs. alle halbe Jahr wird alles erneuert vs. alle zwei Jahre wird alles erneuert vs. Mischformen), du hast verschiedene Einstellungen, darüber, was da für Software mit rein soll (bei Trisquel gibt's nur Richard-M.-Stallman-mäßig Freie Software, Mint installiert proprietäre oder zumindest lizenzrechtlich fragwürdige Codecs und auf Wunsch auch proprietäre Closed-Source-Treiber mit). Früher hatte auch noch jede Distribution jeweils eine Desktopumgebung (SuSE hatte KDE, Ubuntu, Debian und Fedora hatten GNOME usw.), während es heute viele Distributionen mit unterschiedlichen vorinstallierten Desktopumgebungen zur Auswahl gibt (Manjaro beispielsweise oder inzwischen auch Debian; Ubuntu hat pro Fenstermanager/Desktopumgebung Spinoffs, also Ubuntu selbst mit Unity, Kubuntu mit KDE, Xubuntu mit Xfce, Lubuntu mit LXDE, Ubuntu GNOME mit GNOME 3...). Es gibt sogar besondere Distributionen für Kreative, die z. B. für Musikproduktionen besonders gut geeignet sind.
Es gibt Distributionen, die sind besonders noobfreundlich, können aber fortgeschrittene User beim Basteln behindern. Wieder andere sind flexibel, aber für den frischgebackenen Windows-Umsteiger unbedienbar.
(05.04.2015)MikuHatsune schrieb: Zu guter Letzt: Ist dashLinux benutzerfreundlich gestaltet und einfach zu bedienen für Windows-Veteranen, die seit Win 3.1 immer bei Windows waren oder ist da große Gewöhnung und Umstellung von Nöten, wenn man das ausprobieren möchte?
Du wirst beim Umstieg von Windows auf Linux
immer auf Hürden stoßen, weil Linux sich ziemlich anders bedient. Häufig wird man in falscher Sicherheit gewiegt, weil etliche Desktops sowohl out of the box als auch in ihren mit der Distribution mitgegebenen Konfigurationen aufgebaut sind wie Windows seit 95, also unten eine Leiste mit Startbutton unten links, Fensterleiste in der Mitte und Systray unten rechts.
Beispiele, wo Unterschiede sind:
- Unter Linux wird man früher oder später die Konsole (das "DOS-Fenster") brauchen. Unter Windows ist die Shell relativ machtlos.
- Unter Linux ist es häufig üblich, Konfigurationsdateien mit Texteditoren zu bearbeiten. Unter Windows hast du für gewöhnlich entweder eine Klickibunti-Oberfläche, oder du darfst dich in die Tiefen der Registry begeben, oder es läßt sich gar nicht konfigurieren.
- Bestimmte Programme gibt's ganz einfach nicht (Internet Explorer, Windows Media Player, Word, Excel, Outlook...). Dafür gibt's Programme, von denen du nie was gehört hast. Und die, die es gibt, können je nach Desktopumgebung unterschiedlich heißen. "Explorer" (Windows) = "Dolphin" (KDE) = "Dateien" (GNOME 3, Unity) = "Nautilus" (GNOME 2, Cinnamon) = "Caja" (MATE) = "Thunar" (Xfce) und so weiter.
- Es gibt kein C:\. Es gibt gar keine Laufwerke. Es gibt nicht immer eine Repräsentation des physikalischen Speicherorts im Dateisystem. Es gibt nur den für UNIX üblichen Aufbau des Dateisystems, in dem Partitionen oder ganze Datenträger an beliebiger Stelle eingehängt sein können. "C:\Dokumente und Einstellungen\<Username>" heißt "/home/<username>". "C:\Programme" gibt's gar nicht, weil ausführbare Binaries unter "/usr/bin", systemweite Konfigurationen unter "/etc", Bibliotheken (*.dll für den Windows-User) unter "/usr/lib" usw. usf. liegen. Eine CD-ROM oder DVD wird meistens einfach unter "/media/cdrom" oder so eingehängt, aber nach einem USB-Stick wirst du womöglich lange suchen.
- Du hast als User keinen Systemschreibzugriff. Punkt. Du kannst als User nur in deinem Homedirectory schreiben. Am System rumbasteln ohne Paßwort (teilweise auch ohne ein völlig anderes Paßwort, nämlich das root-Paßwort) is nich.
- Der Paketmanager. Der kümmert sich um alle Installationen, alle Deinstallationen, alle Updates. Unter Linux wird keine Software von CD oder DVD installiert. Unter Linux werden auch keine Programme per Browser aus dem Internet runtergeladen und per Doppelklick auf setup.exe installiert. Unter Linux läuft das alles über den Paketmanager. 100× komfortabler als die händischen Installationen unter Windows, auch weil du tonnenweise Zeugs gleichzeitig mit wenigen Handgriffen installieren kannst.
- A propos – Updates. Als Windows-User kennt man das, daß Windows sich einmal im Monat meldet, weil es Updates installieren will. Dann nimmt man sich entweder die Zeit dafür oder klickt die Meldung weg, weil man da keinen Bock drauf hat. Sämtliche Programme, die nichts mit Windows zu tun haben, muß man per Hand updaten, meistens (außer bei Browsern) per Download der neuesten Version und händischem Installieren über die alte. Der Paketmanager unter Linux kann auch schon mal mehrmals am Tag Updates vermelden – dann aber für alles Mögliche, was du auf der Kiste hast, vom Kernel über den Browser bis hin zu Spielen, sofern das jeweils mit dem Paketmanager installiert wurde. Wenn du also Updates hattest, dann darfst du nicht davon ausgehen, daß jetzt einen Monat Ruhe ist.
- Weniger Reboots. Du kannst teilweise dutzende Updates installieren und mußt nicht rebooten, weil alles, was upgedatet wird, im laufenden Betrieb neugestartet wird und weitermacht, als wär nichts gewesen. Es gibt nur wenige Dinge, die einen Reboot verlangen, und noch ein paar, die zumindest verlangen, daß man sich ab- und wieder anmeldet. Aber auch da gibt's keine "Zwangsdialoge" – man kann häufig beliebig lange weitermachen, es ist nur eben empfohlen, irgendwann mal zu rebooten. Einzig ein Totalaustausch der Desktopumgebung (passiert einem höchstens bei Rolling Releases oder beim Totalupgrade nicht-rollender Distributionen auf eine ganz neue Version) kann das Weiterarbeiten erschweren oder unmöglich machen.