Kurz und simpel: Als Künstler sollte man sich mit Realismus auseinander setzen. Anatomie beherrschen ist wichtig, denn auch der stilisierteste Cartoon orientiert sich oft noch irgendwie an unseren tatsächlichen Sehgewohnheiten. Gleiches gilt für Licht und Schatten. Learn the rules before you break them.
Ansonsten finde ich deine Betrachtung etwas einseitig. In historischer Kunst war der Realismus eine große Errungenschaft. Gerade weil die Leute keine Fotos hatten, ist es nicht verwunderlich, dass sie möglichst nah an die Realität heran kommen wollten. Die Mona Lisa ist deshalb Kunstgeschichtlich relevant, weil sie durch Sfumato die Weichheit von Haut und Schatten realistisch abbilden konnte. Eine große Sache, war schließlich eine neue Technik. Gerade nach dem Mittelalter dessen Kunst eher plakativ und perspektivisch flach war, sind die Malereien der Renaissance und des Barock eine gewaltige Veränderung in der Kunst.
Als wir dann Fotografie hatten, hat sich die Kunst auch gleich stark verändert und wir hatten extrem viel experimentelles. Realismus ist nicht die einzige Kunst, die wir als relevant betrachten. Surrealismus, Kubismus, Expressionismus und so weiter und so fort. Das existiert alles und Bilder wie Van Goghs Sternennacht oder Munks Schrei gelten trotz fehlendem Realismus nun nicht gerade als Ubekannt oder weniger Wert
Heute triffst du Vertreter von Allem überall. Der Kunstmarkt ist divers und kommerzielle Arbeiten (Comics, Cartoons, Werbung, Animation etc.) sind oft stark stilisiert. Sehe also das Problem nicht so ganz. Klar, Realismus ist wichtig. Aber Kunst ist auch immer eine Reflexion der Realität also ist das irgendwie der logische Ausgangspunkt.