Nein, da sehe ich eine unzulässige Gleichsetzung analoge vs. digitale Welt. Denn: wenn ich in der analogen Welt, sag mal, in einen Stripclub gehe, sieht der Türsteher häufig schon ohne Ausweis, daß der Besucher sichtlich älter als 18 ist, auch ohne daß er sich die Personaldaten durchlesen muß - es ist klar: Besucher ist über 18, Jugendschutz erfüllt, kann eintreten. Im Zweifel (Besucher wirkt noch recht jung) läßt er sich den Ausweis zeigen, okay, ist über 18, kann rein - der Türsteher wird sich aber kaum irgendwelche Details merken, also weder, wie der Gast heißt noch wo er wohnt noch wann genau er Geburtstag hat, für die Augenblickskontrolle (darf rein: ja/nein) ist das alles unwichtig, und mehr interessiert einen kontrollierenden Menschen auch nicht. Anders aber bei Computern in der digitalen Welt: die speichern gnadenlos alles ab, oder könnten es zumindest ohne Anstrengung. Da wird dann das Gesicht gespeichert, zusammen mit zwangsweise anzugebenden persönlichen Daten, natürlich alles schön verknüpft, "prima", ein vollständiges Profil eben. Klar: es gibt immer wieder die Beteuerungen "we value your privacy". Quatsch. Laber-laber-laber, mehr ist das in meinen Augen nicht, reine Beschwichtigung. Trotzdem wird natürlich feste gespeichert, was das Zeug hält, einfach, weil es geht und Speicherplatz nichts mehr kostet. Schadet ja nicht, irgendwann kann man die Datensätze sicher noch gebrauchen, nicht wahr...?

Und dann kommt: der nächste Hackerangriff oder das nächste Datenleck, und diese Datensätze landen allesamt im Darknet, werden dort verklingelt und verhökert und es wird feste Schindluder damit getrieben. Die Verifizierungsfirmen? "Ooooooooch, tut uns leeeeeeeeeeid

, bitte glauben Sie uns, das wollten wir nicht, tut uns echt leeeeeeeeeid..."

- ja, toll, aber der Schaden ist angerichtet, nicht behebbar (wie sollen die Daten aus dem Darknet verläßlich und vollständig wieder entfernt werden?) und Mißbrauch, etwa durch Erpressungsversuche ("Wir wissen, welche Pornoseiten Sie sich angesehen haben... aber gegen eine kleine freiwillige sagen wir fünfstellige
Spende könnten wir ja vergessen, diese Daten mit all Ihren Kontakten zu teilen..."

), ohne Weiteres möglich. In der analogen Welt hingegen hat der Türsteher selbst bei tatsächlich beäugtem Ausweis die Details, die für seine Augenblicksentscheidung wichtig sind, im nächsten Moment wieder vergessen (Funktionsweise menschliche Gehirne, als irrelevant angesehen Daten speichern sie schlichtweg nicht), was die Gefahr von Mißbrauch doch sehr deutlich reduziert.
Selbst ohne beim Besuch von Seite XXX zur Verifizierung zwangsweise einzugebenden Daten entsteht doch ein dauerhafter Datensatz: das Gesicht. Und irgendwann muß man, und sei es auch bei einer völlig anderen Angelegenheit, dann doch persönliche Daten zu seinem Gesichtsfoto eintragen. Und Computer können inzwischen ja bekanntlich auch Gesichter wiederkennen - und schon sind Zuordnungen zum bis dato anonymen Gesicht des Besuchers von Seite XXX wieder wunderbar möglich. Datenschutzversprechen? Daß ich die lediglich für leeres Gesabbel ohne belastbare Substanz halte, habe ich ja schon dargestellt.